Ohne Moos nix los

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Ich muss gestehen, früher habe ich Moos nicht wirklich viel Beachtung geschenkt. Ab und an bin ich Barfuß über Moos gelaufen weil es so weich ist, aber das war schon das höchste der Gefühle. Bis ich von Isländisch Moos gehört habe, wusste ich gar nicht dass Moos überhaupt für etwas gut ist und heute sitze ich hier und schreibe einen Lobgesang an das Kraut – wer hätte gedacht?!

Beschreibung

Moos hat sich in seiner Beschaffenheit und Funktion über die Jahrmillionen im Vergleich zu anderen Pflanzen nicht viel verändert – das sind sozusagen die Krokodile unter den Pflanzen. Man unterscheider zwischen sage und schreibe 16.000 Arten. Sie wachsen direkt am Boden und sind somit Bakterien und Pilzen ausgesetzt, gedeihen trotzdem munter vor sich hin – eigentlich müssten die ja vor Krankheiten nur so strotzen und bereits ausgestorben sein! Moose haben aber bestimmte Inhaltsstoffe, die sie Immun gegen Pilz- und Bakterienbefall machen.

Schon früh wurde die Heilkraft dieser Pflanze genutzt: Wikinger legten ihren Fisch in nassem Torfmoos ein, so wurde dieser nicht schlecht, die Maoris stellten eine Paste her mit der sie Geschlechtskrankheiten behandelten, die Indianer benutzten Windeln aus Torfmoos, welche sehr gut absorbierten und durch die Inhaltstoffe eine Entzündung des Babypopos verhinderten. Bis zum ersten Weltkrieg benutzte man Wundkompressen gefüllt mit Torfmoos da diese 3x so schnell und bis zu 25 Mal mehr Flüssigkeit aufsaugen als wie Baumwolle. Außerdem wir eine Entzündung der Wunde durch die Inhaltsstoffe des Mooses verhindert.

Wirkung

Schon bei meiner Wildkräuterausbildung haben bei mir die Glocken geklingelt als unsere Kräuterpädagogin erklärte, dass Moose exzellente Fungizide sind! Moos soll nämlich bei allen Pilzerkrankungen helfen, also Nagelpilz, Fußpilz, Scheidenpilz (Oh Gott!), Kopfpilz, etc. wie man sieht siedeln sich die Gesellen überall am menschlichen Körper an. Moose hemmen vor allem die Zellteilung bei Bakterien, Pilzen und Tieren.

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Sternmoos

Spritmittelersatz Moos

Das Institut für Pflanzenkrankheiten in Bonn hat Pflanzen mit Pilzen infiziert und dann mit Extrakten von 20 verschiedenen Moosarten besprüht. Alle diese Moosarten hemmten die Pilzinfektionen und einige Tomatenarten waren danach sogar gegenüber der Pilzart immun!! Außerdem mögen Schnecken kein Moos und meiden Pflanzen die damit besprüht werden – kleine Feinschmecker also. Einfach Moos in Wasser einweich und dann Pflanzen damit besprühen. Das wird im Sommer definitiv ausprobiert – adé Spritzmittel!

Beachte: Sobald es regnet wird der Schutzfilm weggespült, also besonders nach Regen spritzen. Falls ein alkoholischer Extrakt eingesetzt wird, ist zu beachten, dass UV-Licht diese Extrakte zersetzt - hier müsste man dann einen UV-Blocker einsetzen. Weder Haftmittel, noch UV-Blocker für Moosextrakte wurden bis jetzt entwickelt und kommerziell eingesetzt. 

Raumluftentkeimer

Kennt ihr schon den neuesten Trend? Die futuristisch anmutenden Raumluftentkeimer, die man zurzeit in Elektrogeschäften kaufen kann. Die gibt’s in allen Formen und Größen, werden mit Strom betrieben, sind unheimlich teuer und sollen Bakterien und Keime in der Raumluft abtöten.

Und ja ihr wisst was jetzt kommt – Moos ist da eine Alternative, surprise! Die sind nämlich super Feinstaubkiller (ich glaub Indien hat davon noch nichts gehört). Moose haben ja keine Wurzeln und nehmen dadurch mit ihrer gesamten Oberfläche Nährstoffe auf. Feuchtes Moos zieht Feinstaub an und bindet es elektrostatisch. Außerdem leben auf der Moosoberfläche Bakterien, die sich von Ruß oder Reifenabrieb ernähren. Mittlerweile werden vereinzelt Moosmatten auf Dächern oder Autobahnmittelstreifen damit bepflanzt. Die Pflanzen sind ja glücklicherweise auch noch pflegeleicht.

Ganz besonders in Japan wird dem Moos eine große Bedeutung zugeschrieben. Sogar in der japanischen Hymne wird das Grün besungen. Es gibt einige Innenarchitekten, die sich darauf spezialisiert haben, Mooswände oder Raumteiler für Innenwände zu konstruieren und in Zen-Gärten ist das Moos ein Muss. Ganz populär ist das „Moss viewing“, da treffen sich Japaner mit Lupen in der Hand um miteinander Moos in der Natur zu inspizieren.

Aber warum benutzen das nicht mehr Menschen?

Eine Kommerzialisierung von Moosextrakt hat mehrere Problematiken: 2. gibt es kaum Studien über die Langzeitwirkung vom Moos. Man müsste hier alle Stoffe auflisten, die für die pilzhemmenden Eigenschaften verantwortlich sind, aber leider wirken die Einzelsubstanzen nicht so gut wie das unerforschte Gemisch im Moos selbst. 3. Für eine kommerzielle Nutzung von Moos, müssten Unmengen davon der Natur entnommen werden oder Verfahren zur schnellen Vermehrung von Moos konzipiert werden.

Für den umweltbewussten Gärtner aber, ist es zu Hause die ideale Methode um auf Spritzmittel zu verzichten und um nicht ständig Unkraut jäten zu müssen!

Zum Nachlesen: Umwelt & Gesundheit 1/2008 von Jan-Peter Frahm

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